Was ist die SNB und wozu dient sie ?
Was ist die SNB und wozu dient sie in der Schweiz?
Die SNB (Schweizerische Nationalbank) ist die Zentralbank der Schweiz. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Geldpolitik des Landes zu führen, um die Preisstabilität zu gewährleisten (das heisst, eine zu hohe Inflation zu vermeiden, aber auch eine zu niedrige Inflation), und dabei die konjunkturelle Entwicklung zu berücksichtigen. In der Praxis wirkt sie wie der „Schiedsrichter“ für den Wert des Geldes in der Schweiz: Sie beeinflusst das Niveau der kurzfristigen Zinsen (über den Leitzins), was sich auf die Kredit-, Spar- und Anlagebedingungen auswirkt.
Die SNB dient zudem der Wahrung der Finanzstabilität und dem reibungslosen Funktionieren des Zahlungssystems. Sie überwacht Risiken, die Banken und Wirtschaft schwächen können (zum Beispiel eine übermässige Immobilienverschuldung), steuert die Liquidität des Bankensystems und kann bei Spannungen eingreifen. Und weil der Schweizer Franken eine zentrale Rolle für Inflation und Wirtschaft spielt (insbesondere über den Wechselkurs), kann die SNB bei Bedarf auch am Devisenmarkt tätig werden, wenn sie dies zur Erfüllung ihres Mandats für notwendig hält.
- Leitzins und Nullzins
- Einfluss der SNB auf Hypothekarzinsen
- Auswirkungen der SNB auf den SARON-Satz
- Finanzierungsbedingungen
- Die SNB und der Immobilienmarkt
- Finanzstabilität
- Inflation und SNB
- Sparen und Anlagen
- Schweizer Franken (CHF): Wechselkurs, starker Franken
- Schweizer Finanzmärkte
- Liquidität im Bankensystem
Die SNB (Schweizerische Nationalbank) ist die Zentralbank der Schweiz. Sie nahm ihre Tätigkeit 1907 auf und agiert in einem spezifischen bundesrechtlichen Rahmen, mit zwei Sitzen (Bern und Zürich).
Ihr Mandat besteht darin, die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei die konjunkturelle Entwicklung zu berücksichtigen; zur Umsetzung dieses Mandats stützt sich die SNB auf eine geldpolitische Strategie, deren Eckpfeiler ihre operative Definition der Preisstabilität ist (Inflation zwischen 0% und 2% mittelfristig).
Konkret beeinflusst die SNB die Kosten des Geldes und die monetären Bedingungen in der Schweiz (unter anderem) über:
- den Leitzins und die Verzinsung der Sichtguthaben,
- das Management der Liquidität,
- ihre Fähigkeit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren,
- und in Fragen der Finanzstabilität.
Für Sie als Immobilienkreditnehmer (oder künftiger Eigentümer) ist die Schweizerische Nationalbank wichtig, weil sie direkt oder indirekt die Hypothekarzinsen, den SARON, die Finanzierungsbedingungen, den Immobilienmarkt und allgemein das wirtschaftliche Umfeld (Inflation, Schweizer Franken, Finanzmärkte usw.) beeinflusst.
Leitzins und Nullzins
Was der Leitzins der SNB (Schweizerische Nationalbank) ist
Der Leitzins der SNB ist das wichtigste geldpolitische Signal: Er dient als Anker für das Niveau der kurzfristigen Geldmarktzinsen in CHF. Bei jeder vierteljährlichen Lagebeurteilung (März, Juni, September, Dezember) trifft die Schweizerische Nationalbank einen Entscheid und veröffentlicht zudem eine Inflationsprognose, die mittelfristig bedingt ist.
In der jüngeren Vergangenheit weisen offizielle Mitteilungen auf einen Leitzins von 0,00% seit Juni 2025 hin, was einem Umfeld entspricht, das als Nullzins bezeichnet wird.
Unten finden Sie den jüngsten Verlauf des SNB-Leitzinses
Vertikale Achse: Leitzins der SNB (in %)
Warum man von „Nullzins“ spricht (und was das bedeutet)
Ein Umfeld mit Nullzins bedeutet, dass die Grenzkosten von Geld in CHF (zusätzliche Kosten, um 1 CHF mehr Finanzierung zu erhalten) auf Leitzinsniveau extrem niedrig sind. Das zielt in der Regel darauf ab:
- eine zu niedrige Inflation (oder sogar Deflation) zu vermeiden,
- die finanziellen Bedingungen zu lockern (günstigerer Kredit),
- in bestimmten Kontexten die Aufwertung des Schweizer Frankens zu begrenzen.
Beispiel „Hypothek und Budget“
Wenn Sie eine kurzfristig indexierte Hypothek haben (z. B. auf den SARON + Marge), neigt ein Leitzins von 0% dazu, den SARON nach unten zu ziehen, was Ihre Zinsen senken kann … sofern die Bankmarge und die Mechanismen eines Zinsbodens (oft als „Floor“ bezeichnet) den Rückgang nicht neutralisieren.
Ein häufiges Beispiel ist ein Vertrag mit SARON minimum = 0%. Das bedeutet, dass selbst wenn der SARON leicht negativ wird, die verrechnete SARON-Komponente bei null bleibt und nur die Marge weiter zur Anwendung kommt.
Einfluss der SNB auf Hypothekarzinsen
Warum sich Hypothekarzinsen nicht alle gleich bewegen
Hypothekarzinsen sind kein simples „Copy-Paste“ des Leitzinses der SNB. Sie hängen insbesondere ab von:
- dem Segment (Festhypothek vs. SARON-Hypothek),
- den Markterwartungen (Zinskurve, CHF-Swaps),
- Absicherungskosten, Kreditrisiko und dem Wettbewerb zwischen Banken und Versicherungen.
In der Praxis:
- beeinflussen der Leitzins und die Geldmarktzinsen vor allem SARON-Hypotheken (variabel/anpassbar),
- reagieren Festhypotheken stärker auf Marktrenditen (Obligationen, Swaps) und Erwartungen.
Typische Transmission zur SARON-Hypothek
Die SNB versucht, die besicherten Geldmarktzinsen nahe an ihrem Leitzins zu halten. In diesem Umfeld tendiert der SARON nach einem Entscheid dazu, in der Nähe des Leitzinses zu verlaufen, was seine Popularität als Basis für Hypotheken mit variablem Zinssatz erklärt.
Beispiel „10 Jahre fest vs. SARON“
Stellen wir uns zwei Haushalte vor, die eine ähnliche Immobilie kaufen:
- Haushalt A: Festhypothek 10 Jahre, sichert einen bekannten Zinssatz, kann aber „teuer zahlen“, wenn die Zinsen danach fallen.
- Haushalt B: SARON-Hypothek, profitiert schneller von einer geldpolitischen Lockerung, ist aber einer späteren Zinserhöhung ausgesetzt.
Diese Wahl ist nicht nur eine Frage des „Wettens auf Zinsen“; es ist eine Frage der Budget-Risikotoleranz, der Belastbarkeit und des Anlagehorizonts.
Auswirkungen der SNB auf den SARON-Satz
Definition und Rolle
Der SARON (Swiss Average Rate Overnight) ist ein Referenzzinssatz für CHF über Nacht, basierend auf dem Repo-Markt. Er wird von SIX administriert und berechnet, während die SNB häufig zu Informationszwecken einen indikativem Niveau publiziert.
Wie sich das in einer SARON-Hypothek niederschlägt
Eine SARON-Hypothek funktioniert typischerweise so:
- der SARON wird über einen Zeitraum beobachtet/berechnet (oft quartalsweise),
- die Bank wendet einen Berechnungsmechanismus an (zusammengesetzter Durchschnitt) und addiert eine Marge,
- der verrechnete Gesamtzins ist somit: SARON (berechnet) + Bankmarge (+ allfälliger Zinsboden).
Konkretes Beispiel (einfach)
Wenn der SARON nahe 0% liegt (Umfeld mit Nullzins) und die Bankmarge 0,8% beträgt, liegt der verrechnete Zinssatz bei rund 0,8% (je nach exakten Vertragsmodalitäten). Steigt der SARON Richtung 1%, steigt der verrechnete Zinssatz bei gleicher Marge Richtung 1,8% – und Ihre Zinsen nehmen zu.
Finanzierungsbedingungen
Wie die SNB „Ihre“ Finanzierungsbedingungen beeinflusst
Ihre Bank setzt Ihre Konditionen fest (Zins, Marge, Anforderungen, Amortisation), doch die SNB prägt das Umfeld stark:
- Refinanzierungskosten,
- Risikobereitschaft,
- Liquiditäts- und Wettbewerbsbedingungen,
- und aufsichtsrechtliche Anforderungen, die Kredite verteuern können.
Die makroprudenzielle Rolle: antizyklischer Kapitalpuffer und Immobilien
Wenn die Risiken am Hypotheken- und Immobilienmarkt zunehmen, kann die Schweizerische Nationalbank die Aktivierung oder Anpassung des antizyklischen Kapitalpuffers vorschlagen. Das kann Banken dazu zwingen, für bestimmte Hypotheken mehr Eigenkapital zu binden, was sich in höheren Margen oder strengeren Kriterien niederschlagen kann.
Beispiel: indirekter, aber realer Effekt
Sie haben ein „Grenz“-Dossier (knappes Einkommen, minimale Eigenmittel minimal, hohes Verhältnis Kosten/Einkommen). In einer Phase, in der Immobilienrisiken als steigend beurteilt werden, können Banken strenger sein, selbst wenn der Leitzins sinkt. Eine Zinssenkung allein hebt die prudenzielle Logik nicht auf. Mit einem guten Hypothekenmakler können Sie ein Dossier „solide“ vorlegen, Ihren Immobilienkredit erhalten und sich schon jetzt super entspannt in Ihrem zukünftigen Garten sehen.
Die SNB und der Immobilienmarkt
Warum sich die SNB für Immobilien interessiert
Immobilien sind in der Schweiz zentral: Sie machen einen grossen Teil des Vermögens der Haushalte aus, und Hypotheken wiegen schwer in den Bankbilanzen. Die SNB überwacht daher Ungleichgewichte (Überbewertung, Kreditwachstum, Verwundbarkeiten), weil sie die Finanzstabilität beeinträchtigen können.
Wirkung der Zinsen auf Preise und Nachfrage
Vereinfacht gesagt:
- Zinssenkung → niedrigere Zinsbelastung bei gleichem Budget → höhere Kreditfähigkeit → möglicher Aufwärtsdruck auf Preise,
- Zinserhöhung → umgekehrter Effekt (mit einer Trägheit, die mit Angebot, Demografie und lokalen Einschränkungen zusammenhängt).
Beispiel: Kaufen in einer Niedrigzinsphase
Wenn die Zinsen niedrig sind, besteht das klassische Risiko darin, „zu viel zu kaufen“ (die Tragbarkeit zu maximieren) und dann bei einer Normalisierung einen Zinsschock zu erleben. Ein vorsichtiger Ansatz besteht darin, zu simulieren:
- ein Szenario mit steigendem SARON,
- steigende Nebenkosten (Unterhalt, Stockwerkeigentum),
- und einen Wertverlust im Fall einer Korrektur.
Finanzstabilität
Rolle der SNB in Bezug auf Finanzstabilität
Neben der Geldpolitik hat die SNB den Auftrag, zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Sie analysiert Risiken, beteiligt sich an makroprudenziellen Massnahmen und kann das System bei Liquiditätsspannungen stützen.
Kreditgeberin letzter Instanz: was das bedeutet
In Extremsituationen kann eine Zentralbank Liquidität bereitstellen müssen, um einen Stillstand des Systems zu verhindern. Diese Rolle wird oft mit dem Ausdruck Kreditgeberin letzter Instanz zusammengefasst und soll verhindern, dass ein Liquiditätsschock zu einer systemischen Krise wird.
Beispiel: Auswirkungen auf Ihre Projekte
Wenn das Bankensystem ins Stocken gerät:
- vergeben Banken weniger Kredite,
- verschärfen sich die Finanzierungsbedingungen,
- steigen die Margen,
- und Ihre Projekte (Kauf, Verlängerung, Zins) können betroffen sein.
Inflation und SNB
Preisstabilität: die Schlüsselmesslatte
Die SNB definiert Preisstabilität als eine Inflation zwischen 0% und 2% mittelfristig. Diese Definition leitet die Kalibrierung des Leitzinses und der monetären Bedingungen.
Warum Inflation im Zentrum Ihrer Hypothek steht
Die Inflation beeinflusst die Entscheide der Schweizerischen Nationalbank, die nominalen Zinsen (Leitzins, Obligationen, Swaps) und indirekt Ihr Budget über die Lebenshaltungskosten. Ist die Inflation zu niedrig, kann die SNB lockern. Ist sie zu hoch, kann sie straffen.
Konkretes Beispiel: tiefe Inflation und Kosten, die „trotzdem steigen“
Selbst wenn die Zinsen sinken, können andere Kosten steigen:
- STWEG-Nebenkosten,
- Energie,
- Arbeiten,
- Versicherungen.
Sparen und Anlagen
Auswirkungen der SNB auf Ihr Sparguthaben
Ein Umfeld mit Nullzins senkt tendenziell die Renditen der klassischen Bankersparnisse. Die Entscheide der SNB beeinflussen auch die Verzinsung von Einlagen und generell die relative Attraktivität von Obligationen und Aktien.
Wirkung auf die Immobilienfinanzierung über die Kapitalallokation
Wenn „risikofreie“ Anlagen wenig abwerfen, wenden sich einige Investoren anderen Anlageklassen zu (darunter Immobilien). Das kann die Nachfrage stützen und Preise beeinflussen, mit indirekten Effekten auf Finanzierungsbedingungen und den Wettbewerb unter Kreditgebern.
Beispiel: Abwägung „amortisieren oder investieren“
In einem Umfeld mit tiefen Zinsen zögern einige Haushalte zwischen:
- amortisieren (Schulden und Risiko reduzieren),
- oder investieren (auf eine Rendite über den Schuldenkosten hoffen).
Die Antwort hängt von Ihrem Risikoprofil, Ihrer Steuerlage und der effektiven Höhe Ihres Zinssatzes (inkl. Marge) ab.
Schweizer Franken (CHF): Wechselkurs, starker Franken
Warum der Franken ein zentrales Thema für die SNB ist
Der Schweizer Franken gilt oft als „sichere Hafen“-Währung. Ein starker Franken kann Exporte verteuern und Importpreise senken, was die Inflation dämpft. In bestimmten Situationen kann die SNB es für notwendig halten, zu handeln, um monetäre Bedingungen aufrechtzuerhalten, die mit ihrem Mandat vereinbar sind.
Konkretes Beispiel: starker Franken und Hypotheken
Der Zusammenhang ist nicht direkt, sondern eher über den makroökonomischen Kanal:
- starker Franken → tiefere importierte Inflation → akkommodierendere Geldpolitik → tiefe Zinsen länger → SARON– und teils Festhypotheken potenziell tiefer (je nach Märkten).
Schweizer Finanzmärkte
Zusammenhang zwischen SNB, Geldmarkt und Obligationenmarkt
Die SNB wirkt im Kern des Geldmarkts (Liquidität, Repos, Sichtguthaben) und beeinflusst die allgemeinen Finanzierungsbedingungen. Die Obligationen- und Finanzmärkte preisen anschliessend Erwartungen zu Inflation, Wachstum und künftigen Entscheiden ein.
Warum das für Sie relevant ist
Selbst wenn Sie nicht aktiv investieren, stützen sich Festhypotheken auf Marktrefenzen, Banken steuern ihre Bilanz und Absicherungen, und Marktliquidität überträgt sich auf die Konditionen, die dem Endkunden angeboten werden (Ihnen, dem Käufer-Kreditnehmer).
Konkretes Beispiel: Markterwartungen
Es kommt häufig vor, dass sich Festzinssätze schon vor einem offiziellen Entscheid bewegen, weil der Markt eine Senkung oder Erhöhung bereits antizipiert. Das kann den Eindruck erwecken, Ihre Bank „ändere ihre Zinsen“, obwohl die SNB noch nicht kommuniziert hat.
Liquidität im Bankensystem
Wozu Liquidität dient
Liquidität ist die Fähigkeit der Banken, Zahlungen zu leisten und sich im Alltag zu finanzieren. Die SNB steuert die Liquidität mit operativen Instrumenten, um zu verhindern, dass ein Liquiditätsproblem zu einer Vertrauenskrise eskaliert.
Sichtguthaben und Anreizmechanismen
Das System der Verzinsung von Sichtguthaben (mit Schwellenwerten) ermöglicht es, Anreize und das Verhalten der Banken zusätzlich zu Marktoperationen anzupassen. Es ist ein wichtiges Element, um die kurzfristigen Zinsen nahe beim Leitzins zu verankern.
Beispiel: wie Liquiditätsstress Kredit beeinflusst
Wenn Liquidität knapp wird:
- refinanzieren sich Banken teurer,
- erhöhen Margen oder verschärfen Kriterien,
- und Kredite (darunter Hypotheken) können teurer werden, selbst wenn sich der Leitzins nicht bewegt.
Als Referenz: Die offizielle Website der Schweizerischen Nationalbank ist: https://www.snb.ch/de/




